N45 PARIS ORLY
JF, 23 ans, étud Nord Paris, de souche globe-trotter, recherche JF 20 à 30 ans, étud sup, yuppie androgyne, surmenée, in the wind but lonely heart, pour relation de confiance, affaire de…coeur.
Lesbia, 1991
Lesbia, 1991
Responses
[May 13, 2021 at 7:35 pm]:
*in the wind is doubtless a literal translation of dans le vent, an expression from that era meaning: cool, trendy, fashionable
[April 14, 2021 at 11:04 am]:
Der November 1991 ist jetzt seit 19 Jahren vergangen. Ich war damals fast zwei Jahre alt und Irène vier. Heute bin ich 30 und damit fast schon zu alt für dich? Aber ich habe studiert, war viel unterwegs und mag androgyne Körper und Gesten. Und so verstehe ich mich mal als deine mögliche Adressatin, JF!
Die Frau*, die ich ausgehend von deinen Zeilen imaginiere hat einiges mit mir gemein. Und gleich vorab: ich stehe ihr nicht unkritisch gegenüber. Die „Globetrotterin*, Akademikerin*, queere Yuppielady, …“, berührt zwangsläufig die Frage nach sozioökonomischer Herkunft. Ich wurde – wie auch mein Bild von dir, JF – in eine Generation und einen ökonomischen Kontext hineingeboren, die Freiheit und Selbstverwirklichung versprechen und wahrscheinlich auch fordern. Meine Eltern und auch deren Eltern haben das wirtschaftliche Wachstum der Nachkriegsjahre, die Ausbreitung des Kapitalismus und die Entwicklung neoliberaler Politiken in den westeuropäischen Ländern miterlebt: Wirtschaftswunder, Ölkrise, Vietnam, Kalter Krieg, Ökonomisierung der Politik. JF, du bist 1991 minus 23 Jahre, nach meiner Rechnung also 1968 geboren? Tochter der Studentinnen*-Proteste in Paris? Die Demonstrant*innen damals forderten neben Frieden und Gerechtigkeit auch Freiheit, Selbstbestimmung, Kreativität und Selbstverwirklichung.
Du beschreibst dich und die von dir ersehnte Begleiterin als studierende Weltenbummlerin, voll involviert, dabei sich selbst zu finden und immer kurz davor auszubrennen. Total dedicated und dabei zu 100% selbstverantwortlich für die Realisierung einer unabhängigen und möglichst kreativen Biographie. Ich verstehe uns als Töchter einer Politik des Förderns und Forderns, der Rechte und Pflichten, der Maximierung des Humankapitals. Leider haben wir uns dabei nicht immer verbündet, sind auf die Straße gegangen oder haben uns organisiert. Vielmehr ist der Appell an die Eigenverantwortung als möglichst individueller Lebensentwurf paradoxer Weise Norm geworden. Und doch sehen wir uns nach Bindung, nach Sorge füreinander und nach Vertrauen.
Können durch die Sehnsucht nach Liebe (du, JF sprichst von „Herzensangelegenheit“) Kontinuität und Verbindlichkeit in unser Leben kommen? Jene Qualitäten, die der Ruf nach Freiheit und Selbstverwirklichung fast inakzeptabel gemacht hat? Darf ich hoffen, dass lesbische Liebe auch heute ein Politikum sein kann, weil sie auf Frauen*solidarität, Fürsorge und Freundschaft verweist? Dann lass uns doch treffen, JF.